P.E.G. aktuell - Experte warnt vor Horrorszenarien

Wie im Newsletter der Bibliomed GmbH vom 24. Januar 2012 gelesen, hier folgende Meldung:

Der Professor für gerontologische Pflegewissenschaft und Qualitätsmanagement Bernd Reuschenbach hat vor Horrorszenarien einer überalterten und immer kränkeren Gesellschaft gewarnt. Der bemerkenswerte Markt an Zahlen und Interpretationsmöglichkeiten sei insbesondere in der Gesundheitspolitik für viele Akteure eine Lizenz für Forderungen, sagte der Wissenschaftler der Katholischen Stiftungsfachhochschule München in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. So könne man statt von der Prognose des Statistischen Bundesamtes, wonach die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um gut 45.000 pro Jahr steigen wird, auch von einem anderen Szenario ausgehen: „Etwa, dass die älteren Menschen künftig gesünder bleiben als bislang. Dann kommen wir zwischen 2020 und 2030 nur noch auf 27.000 Pflegebedürftige mehr pro Jahr.

Für ein solches Szenario spricht nach Ansicht des Lehrstuhlinhabers an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, dass die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, zwischen 2000 und 2008 deutlich zurückgegangen ist, bei den Männern um acht, bei den Frauen um 25 Prozent. „Die Wahrscheinlichkeit, heute als 75-Jähriger pflegebedürftig zu werden, ist heute viel geringer als noch vor Jahren.“ Dabei spiele die Medizin eine geringere Rolle als vielfach behauptet. „Im Sinner einer Verantwortungsethik kann es nicht allein Aufgabe des Gesundheitssystems sein, hier steuernd mitzuwirken. Es ist auch die Aufgabe der Alten selbst, für sich zu sorgen“, so Reuschenbach.

In der gesundheitspolitischen Debatte sieht Reuschenbach die Pflege bislang im Hintertreffen. Sie werde am wenigsten wahrgenommen, während die Medizin deutlich Nutzen daraus zöge, vor der drohenden Überalterung der Gesellschaft zu warnen, weil ihre Standesvertreter diejenigen seien, „die am lautesten schreien“. Der Gewerkschaft Verdi warf Reuschenbach vor, einerseits für die Pflege eintreten zu wollen und bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter zu fordern, gleichzeitig aber die Einrichtung von Pflegekammern abzulehnen. „Warum will man ausgerechnet der größten Berufsgruppe im Sozial- und Gesundheitswesen diese Möglichkeit entziehen?“

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