Archiv für 07. Juli 2010

P.E.G. aktuell - Heftige Kritik an Gesundheitsreform-Eckpunkten

Mittwoch, 07. Juli 2010

Wie im Newsletter der Bibliomed medizinische Verlagsgesellschaft mbH vom 07. Juli 2010 gelesen, hier folgende Meldung:

Die gestern von der schwarz-gelben Koalition beschlossenen Eckpunkte zur Gesundheitsreform haben heftige Reaktionen hervorgerufen. Sowohl die Opposition im Bundestag, als auch Gewerkschaften und Sozialverbände kritisierten die Regierungspläne als unsozial und gegensätzlich zu den Wahlversprechen der Koalitionsparteien. Aber auch Arbeitgeber, Leistungserbringer und die auf zusätzliche Finanzmittel und damit eine schnelle Reform angewiesene Gesetzliche Krankenversicherung selbst zeigten sich enttäuscht über das Ergebnis des monatelangen koalitionsinternen Ringens um eine Reform.„Die Koalition startet mit einem grandiosen Wortbruch in die Sommerferien“, sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier gestern in Berlin. Statt dem versprochenen „Mehr Netto vom Brutto“ hätten die Menschen künftig wegen der steigenden Sozialabgaben weniger im Portemonnaie. Dem schloss sich Grünen-Fraktionschefin Renate Künast an. Von der versprochenen Reform seien nur noch „eine Beitragserhöhung und ein sogenannter Zusatzbeitrag“ übrig geblieben. Die Gesundheitsexpertin der Grünen, Biggi Bender, sieht in den von Rösler vorgestellten Plänen den Ausstieg aus der Solidarität im Gesundheitswesen. Die Koalition wolle die Arbeitgeber aus der Finanzierungsverantwortung entlassen und künftige Ausgabensteigerungen allein von den Versicherten tragen lassen. „Die Überführung der Krankenversicherung in ein Kopfpauschalensystem ist damit vorgezeichnet“, sagte Bender in Berlin. Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag Carola Reimann (SPD) bezeichnete die Koalitionspläne als Bankrotterklärung. „Dies ist die schlechteste und unsozialste Gesundheitsreform aller Zeiten“, so Reimann.

Deutlich Stellung bezogen auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Paritätische Wohlfahrtsverband. DGB-Vorstandsmitglied Amelie Buntenbach sprach von einer „Kampfansage an die 70 Millionen Versicherten“, die auf skandalöse Weise belastet würden, während die Arbeitgeber mittel- und langfristig aus der Verantwortung für die Kassenfinanzierung entlassen würden. „Daran ändert auch die einmalige Beitragserhöhung für 2011 nichts“, so Buntenbach. Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte die Koalition auf, strukturelle Reformen vorzunehmen statt hilflos an Symptomen herumzudoktorn. Mehrere Sozialverbände schlossen sich der Kritik an.

Arbeitgeber und Leistungserbringer zeigten sich ebenfalls unzufrieden und enttäuscht über die vorgestellten Eckpunkte. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte erneut vor einer Gefährdung der wirtschaftlichen Erholung. Durch die Anhebung des Beitragssatzes werde Arbeit „um mehr als zwei Milliarden Euro“ teurer. Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft Rudolf Kösters sprach von einem „Rückfall in die Kürzungspolitik für Krankenhäuser“. Wieder einmal müssten die Kliniken für die Sanierung der gesetzlichen Krankenkassen herhalten. Aus Sicht der ohnehin unterfinanzierten Krankenhäuser sei dies nicht nachvollziehbar.

Auch die Chefin des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung Doris Pfeiffer äußerte sich kritisch zu den Plänen der Bundesregierung. Diese blieben „deutlich hinter den Möglichkeiten zurück“. So könnten die Zusatzbelastungen der Versicherten angesichts rekordhoher Einnahmen von Ärzten und Kliniken merklich geringer sein. Pfeiffer wiederholte die Haltung ihres Verbandes, dass eine Nullrunde für Kliniken und Ärzte angemessen und tragbar gewesen wäre. „Mit einem engagierteren Sparkpaket hätte ein Teil der Zusatzbelastungen vermieden werden können, ohne dass die Versorgung der Patienten darunter gelitten hätte“, so Pfeiffer. Allein bei Kliniken und Ärzten wären Einsparungen von zwei Milliarden Euro möglich gewesen.

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P.E.G. aktuell - Krankenkassen rechnen mit weiteren Kostensteigerungen

Mittwoch, 07. Juli 2010

Wie im Newsletter der Bibliomed medizinische Verlagsgesellschaft mbH vom 06. Juli 2010 gelesen, hier folgende Meldung:

Die gesetzlichen Krankenkassen rechnen damit, dass die Ausgaben im Gesundheitswesen auch in der Zukunft weiter steigen werden und fordern mehr Beitragssouveränität und drastischere Einsparungen für Leistungserbringer und Pharmaindustrie. Der Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Florian Lanz, beharrte gegenüber der „Ärzte Zeitung“ auf eine „kleine Minusrunde“ für die Ärzte und eine „echte Nullrunde“ für die Krankenhäuser. Auch das von der Regierung verabschiedete Sparpaket für den Arzneimittelmarkt, das rund zwei Milliarden Euro einbringen soll, geht ihm nicht weit genug. Er kritisierte indirekt, dass die schwarz-gelbe Koalition sich zurzeit nur mit Beitragssätzen und Zusatzbeiträgen, also der Einnahmenseite, beschäftigt. „Unsere Sorge ist, dass das Thema Einsparungen am Ende womöglich zu kurz kommt“, so Lanz. Die Ausgabenseite dürfe nicht ins Hintertreffen geraten.Auch der Vorsitzende der Techniker Krankenkasse (TK), Norbert Klusen, äußerte sich gegenüber der „Südwest Presse“ skeptisch zu den geplanten Mehreinnahmen. Diese würden lediglich 2010 ausreichen. „Die Ausgaben werden weiter steigen“, so Klusen. Die Anhebung des Beitragssatzes von 14,9 auf 15,5 Prozent hält Klusen ebenso für vertretbar wie eine Verdoppelung des Zusatzbeitrages. Hier wäre ihm die Aufhebung der sogenannten Ein-Prozent-Regelung, der Begrenzung des Zusatzbeitrages auf maximal ein Prozent des Einkommens des Versicherten. „Sinnvoll wäre es eigentlich, unter einem steuerfinanzierten Sozialausgleich den Höchstbetrag ganz abzuschaffen und so den Kassen mehr Souveränität zu geben“, sagte Klusen.

Auch der Chef der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) Rheinland-Hamburg, Wilfried Jacobs, rechnet nicht damit, dass die Zusatzeinnahmen durch die Beitragserhöhung langfristige Wirkung haben werden. „Höchstens ein Jahr, dann werden Kassen wieder Milliarden fehlen“, sagte Jacobs der „Rheinischen Post“. Er schlug eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze vor und eine Erschwerung des Wechsels von gutverdienenden Versicherten in die Private Krankenversicherung sowie höhere Zuzahlungen der Bundesagentur für die Krankenversicherung der Arbeitslosengeld-II-Empfänger. „Der eingeleitete Sparkurs ist richtig, geht aber nicht weit genug“, so Jacobs. Auch er nannte die Ausgaben für Arzneimittel als Ansatzpunkt für weitere Einsparungen. „Die Arzneikosten in Deutschland sind die höchsten in Europa.“

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