Wie im Newsletter der Bibliomed medizinische Verlagsgesellschaft mbH vom 10. Mai 2010 gelesen, hier folgende Meldung:
Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg hat von der Privatisierung vor gut vier Jahren profitiert. Zu diesem Ergebnis kommt der Wissenschaftsrat in einer aktuellen Überprüfung der Leistungsfähigkeit beider Standorte. Durch die vom privaten Betreiber Rhön getätigten infrastrukturellen Investitionen seien die baulichen Rahmenbedingungen für die Krankenversorgung und die patientenorientierte klinische Forschung auf ein wettbewerbsfähiges Niveau angehoben worden. Die Errichtung des Partikeltherapiezentrums am Standort Marburg und die Einrichtung einer entsprechenden Stiftungsprofessur hätten zudem einen Impuls zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung gesetzt.
„Der Wissenschaftsrat hat bestätigt, dass die Entscheidung zur Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg 2006 allen Unkenrufen zum trotz der richtige Weg war, um den damaligen Investitionsstau an beiden Standorten aufzulösen und der Hochschulmedizin in Gießen und Marburg neue Perspektiven und neue Zukunftschancen zu eröffnen”, sagte Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann heute in Wiesbaden. Der Vorsitzende der Geschäftsführung des UKGM, Joseph Rohrer, hob auch die Feststellung des Gremiums hervor, dass die Arbeitsverdichtung im Klinikum der in anderen Universitätsklinika entspreche und nicht etwa auf die Privatisierung, sondern vor allem auf die Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschalen zurückzuführen sei. „Wir haben seit der Privatisierung sogar ärztliches und Pflegepersonal ausgebaut”, so Rohrer.
Der Vorstandsvorsitzende der Rhön-Klinikum AG, Wolfgang Pföhler, sprach von einem „hervorragenden Zeugnis” durch ein unabhängiges Gremium. „Wir freuen uns über das Lob für die erfolgreich vollzogene Privatisierung. Das zeigt, dass uns in Gießen und Marburg das Zusammenspiel von Wissenschaft, guter Medizin und Ökonomie gelingt und innovative Gesundheitsdienstleistungen für unsere Patienten entstehen.”
Insgesamt bewertet der Wissenschaftsrat die Fusion und Privatisierung des Universitätsklinikums „weiterhin als sinnvolle Grundsatzentscheidung”. Vor allem der Standort Gießen hätte ohne die privaten Investitionen seine Konkurrenzfähigkeit vollständig verloren. Zusätzliche Investitionen des Landes Hessen hätten zudem die Bedingungen für Forschung und Lehre an beiden Standorten verbessert. Allerdings bescheinigte der Wissenschaftsrat den Fachbereichen mangelnde Entschlossenheit, die sich ihnen durch die Fusion der beiden Klinika bietende Chance zu ergreifen. Eine gemeinsamen Strategie für Forschung und Lehre, die Kapazitäten bündele, sei aber notwendig, um international sichtbare Schwerpunkte in Forschung und Krankenversorgung zu etablieren.
Zu einer abschließenden Stellungnahme zu den Auswirkungen der Privatisierung sieht sich der Wissenschaftsrat in Anbetracht der erst vor wenigen Jahren erfolgten Struktur- und Rechtsformänderungen noch nicht in der Lage. Frühestens in fünf Jahren will er eine erneute Begutachtung vornehmen.
Die ausführliche Stellungnahme zur Entwicklung der universitätsmedizinischen Standorte Gießen und Marburg nach Fusion und Privatisierung der Universitätsklinika können Sie hier lesen.
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